Demonstration gegen den Betrieb des belgischen AKW Tihange am 17.08.2011

Nur 90 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt betreibt der belgische Konzern Elektrabel südlich von Lüttich das Atomkraftwerk Tihange. Bereits im Jahr 1969 errichtet, hat dieses technologisch überholte AKW mit seinen drei Reaktorblöcken, das sich unmittelbar neben der Maas und zu dem durch Erdbeben gefährdeten Gebiet befindet, in den Jahren 2002, 2006 und 2010 durch Störfälle immer wieder auf sich aufmerksam. Bis zum heutigen Tag hat Belgien keine Konsequenzen aus den Katastrophen von Tschenobyl und Fukushima gezogen, sondern Elektrabel will den Betrieb des AKW Tihange auf unbestimmte Zeit
aufrecht erhalten.

Auch im niederländischen Borselle und in Cattenom im luxemburgisch – französischem Grenzgebiet werden weiter Atomkraftwerke betrieben. Deshalb haben Bürgerinitiativen und Verbände aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich für den 17. und 18. September zu einem Aktionswochenende gegen Atomkraftwerke in diesen Ländern aufgerufen. Strahlung kennt keine Grenzen, deshalb fordern der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und das Aktionsbündnis STOP Westcastor (ASW) Belgien, die Niederlande und Frankreich auf, ihre Atomanlagen ein für allemal abzuschalten. Gleichzeitig rufen BBU und ASW alle engagierten Bürgerinnen und Bürger auf, sich an diesen Protestaktionen am 17. .9. zu beteiligen.

Die Demonstration gegen den Betrieb des belgischen AKW Tihange beginnt am 17.9. um
14 Uhr in Huy und führt durch Huy zum Atomkraftwerk. Ausführliche Informationen unter
http://www.stop-tihange.org. Weitere Informationen unter www.westcastor.de und unter
www.bbu-online.de.

Castoren sollen Ende November rollen

BI Umweltschutz: “Niedersachsen Büttel der Atomindustrie”

Ungeachtet der Debatte um die erhöhte Strahlenbelastung im atomaren Zwischenlager Gorleben bereitet sich die Polizei auf den nächsten Castor-Transport im November 2011 vor. Der Termin für die 13. Atommüllfuhre aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage Cap de La Hague nach Gorleben steht inzwischen fest. Die Recherche der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) ergab, dass die Polizei ihren Großeinsatz für den 25.-28. November terminiert.”Das wird dem ersten Advent einen neuen Gehalt geben: Ankunft des Castors”, meint BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.
Die Landesregierung mache sich mit dieser getroffenen Terminierung völlig unglaubwürdig, kritisiert die BI. Bis Ende September muss die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) ihre Annahmebereitschaft mitteilen. “Ungeachtet einer ausstehenden erneuten Prüfung der Strahlenwerte durch das Niedersächsische Umweltministerium setzt das Innenministerium die Linie durch, dass der Transport wie geplant stattfindet, Niedersachsen macht sich zum Büttel der Atomindustrie und ihrer Entsorgungsnöte, wozu gibt es eigentlich Grenzwerte, wenn die keine Rolle spielen,” fragt die BI.
“Mit diesem Manöver tragen GNS und die Landesregierung zu einem Mobilisierungsschub bei, wir werden das Atommülldilemma in den Fokus der politischen Auseinandersetzung rücken”, sagte Ehmke.

Castor 2011

Umfangreiche Demonstrationen

Norbert Röttgen spricht von Dialog und Transparenz, outete sich aber im Schnelldurchgang als Basta-Politiker: Gorleben soll als Atommüll-Endlager ausgebaut werden, ohne Vorgespräche, alternativlos, ohne eine formale rechtliche Beteiligung der Bevölkerung.

Termin für Castor-Transport eventl. dieses Jahr erst Ende November!
Als Reaktion wird es auch in diesem Herbst wieder bewegte und bewegende Tage im Wendland geben: Aus Protest gegen den strammen Atom-Kurs der Bundesregierung erwartet die BI im November erneut zigtausende Menschen zur Kundgebung in Sichtweite der Castor-Verladestation in Dannenberg. Tausende werden sich in den Tagen danach an den unterschiedlichsten Aktionen zum Stopp des Transports beteiligen. Erneut werden Kirchen und Gemeindehäuser, Camps und Privathaushalte Schutz und Wärme bieten und die auswärtigen Protestler willkommen heißen.

„Atomstaat und Rechtsstaat beißen sich. Wenn der Castor rollt, bleibt die Demokratie auf der Strecke.” Die Bürgerinitiative ruft deshalb erneut dazu auf, sich den Protesten im Wendland anzuschließen: „Wir rufen alle Menschen auf, sich im November auf den Weg nach Dannenberg, Gusborn, Quickborn oder Gorleben zu machen, um mit den Füßen gegen den Atomkurs der Regierung abzustimmen. Schon im vergangenen Jahr wurde in Harlingen bei der Schienen-Sitzblockade von Tausenden von Menschen deutlich, dass mit vertretbaren polizeilichen Mitteln der Castor-Transport nicht durchsetzbar ist. In diesem Jahr gibt eine weitere Chance: Wenn wir mit zehntausend Menschen auf die Strecke gehen, kommen sie mit Gorleben nicht durch.”

Anreise

Viele werden am Tag der Auftaktkundgebung mit Kind und Kegel für den Ausstieg aus der Atomenergie demonstrieren. Wir versuchen den Verkehr so gut es geht zu regeln, genügend Parkplätze zur Verfügung zu stellen und aktuelle Informationen weiterzugeben. Auf geht‘s zur großen Demonstration ins Wendland! So kommt Ihr hin:

Per Bahn
Am Tag der Demonstration wird es wegen des Castortransports keinen Bahnverkehr zwischen Lüneburg und Dannenberg geben. Nach unseren Informationen plant die Deutsche Bahn auch nicht einen angemessenen Schienenersatzverkehr einzusetzen. Deshalb von unserer Seite die dringende Bitte: Reist wenn möglich mit Bussen nach Dannenberg an. Wir können nur in begrenztem Umfang einen Bustransfer von den Bahnhöfen Uelzen, Salzwedel und Ludwigslust anbieten. Weitere Infos hierzu folgen.

Per Bus
Es wird eine große Zahl Reisebus von überall aus der Republik ins Wendland fahren. Weitere Infos hierzu folgen.

Per Trecker
Die Bäuerliche Notgemeinschaft will wieder viele Trecker mobilisieren, die den Widerstand gegen den Castortransport unterstützen. Auch von den Standorten Schacht Konrad und der Asse-II werden Trecker kommen.
Auf der Kundgebungswiese werden große Flächen für die Fahrzeuge freigehalten. Wer mit dem Trecker kommen will, kann gern Kontakt zur Bäuerlichen Notgemeinschaft aufnehmen.

Per Auto
Es werden nahe des Kundgebungsgeländes Parkplatzflächen ausgewiesen. Eventuell richten wir einen Shuttleverkher mit Bussen ein.
Grundsätzlich bitten wir Euch: Kommt in Gruppen, organisiert Busse. Das erleichtert den logistischen Aufwand erheblich.
Eine große Bitte: Bildet Fahrgemeinschaften, nutzt alle Plätze im Auto aus. Berechnet Staus vor Dannenberg mit ein, reist also frühzeitig an. Belohnt werdet Ihr bei früher Ankunft mit einem guten Vorprogramm…
Zahlreiche Helfer und Einweiser werden Euch den Weg zu den Parkplätzen weisen. Bitte parkt vorbildlich, und spart an Platz wo es geht. Wir müssen viele, viele Fahrzeuge unterbringen!

Verkehrsfunk
Am Tag der Auftaktkundgebung gibt es einen Verkehrsfunk über das Castor-Radio (Radio Freies Wendland). Dort erhaltet Ihr Infos zu Staus und Parkplätzen.

Frequenzen
Lüneburg 95,5 MHz
Uelzen 88,0 MHz
Wendland und weit darüber hinaus 89,7 MHz

Infopunkte und Camps

Entlang der Schienen- und Straßentransport- strecken werden Infopunkte eingerichtet, die als Anlaufpunkte für Widerständler dienen. Zum Teil sind die Infopunkte auch bei den Camps untergebracht.
Hier erhaltet Ihr teilweise 24 Stunden am Tag nicht nur nette Gespräche mit Gleichgesinnten, sondern auch warmes Essen und Getränke sowie aktuelle Infos.

Mobile Lautsprecherwagen werden im ganzen Wendland unterwegs sein.

Dahlenburg
Infopunkt an der Oldenburger Brücke. Keine Übernachtung.

Metzingen
Camp und Infopunkt im Rundling Metzingen. Übernachtung im eigenen Zelt

Hitzacker
Infopunkt und Camp von Widersetzen am Archäologischen Zentrum. Anlaufpunkt für Widersetzen. Übernachtung im eigenen Zelt.

Esso-Wiese Dannenberg
Wichtiger Ort für Information und Organisation ist die Esso-Wiese in Dannenberg.
Dort gibt es einen Infopunkt, die Bettenbörse, warmes Essen, Getränke, Lagerfeuer und viel mehr. Auch die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Robin Wood werden hier präsent sein, zudem Medienpartner wie graswurzel.tv und das „Radio Freies Wendland“. Auch die Demo-Sanitäter haben hier ihre Einsatzzentrale. Keine Übernachtung.

Langendorf
Mahnwache und Infopuntk an der Kirche. Keine Übernachtung.

Laase
Musenpalast – Kultur an der Castorstrecke. Keine Übernachtung.
E-Mail: mail@wittstamm.de

Gedelitz
Camp von x-tausendmal quer. Blockadetrainings, Bezugsgruppen, Verpflegung, Übernachtung im eigenen Zelt, Duschen.
Tel.: 040 / 4018 6848
E-Mail: info@x-tausendmalquer.de

Gorleben
Infopunkt und Mahnwache am Ortseingang von Laase kommend. Keine Übernachtung.

weitere Infos über die Castor-Tage: hier

http://www.campact.de/img/atom2/sn14/castor2011_450x265.jpg
Bereits jetzt kann nicht gewährleistet werden, dass die Strahlungsgrenz- werte im atomaren Zwischenlager Gorleben eingehalten werden. Fordern Sie die Absage des nächsten Castor-Transports!

Promiblockade in Gorleben

Gorleben. Etwa 70 Abgeordnete aus mehreren Parlamenten haben am Sonntag das Gorlebener Endlagerbergwerk blockiert. Nach einem gemeinsamen Frühstück vor dem Haupttor hätten die Parlamentarier anwesende Bürger über die Untersuchungsausschüsse des Bundestages und des niedersächsischen Landtages zu Gorleben und zur Asse informiert, teilte die Initiative »Gorleben365« mit. An der Aktion beteiligten sich den Angaben zufolge etwa ein Dutzend Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordnete von Grünen und Linkspartei. Auch Kommunalpolitiker dieser Parteien sowie von SPD und FDP aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg seien vor Ort gewesen.

Gorlebengespräch bisher ohne Ergebnis

Gorleben: Fachgespräch in Hannover bisher ohne Ergebnis

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) fordert weiterhin die Absage des 13. Castor-Transports aus La Hague.
Im November sollen erneut 11 Behälter mit hochradioaktivem Müll in Gorleben angeliefert werden. Das für den 30. August anberaumte Fachgespräch im niedersächsischen Umweltministerium blieb offensichtlich bisher ohne greifbares Ergebnis.Angesichts der hohen Strahlenwerte in Gorleben dringt die BI auf ein Primat der Politik. „Es kann nicht sein, dass die Messungen des Gorleben-Betreibers, der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), der Maßstab für Behördenhandeln ist“, unterstreicht BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und
Naturschutz (NLWKN) hatte festgestellt, dass der gesetzlich festgelegte Jahreswert von 0,3 mSV am Zaun des atomaren Zwischenlagers erreicht werden kann. Schon bei einem Wert von 0,27 mSV muss laut Strahlenschutzbedingung in der Betriebsgenehmigung der Einlagerungsbetrieb unterbrochen werden: Das hätte große Auswirkungen, denn die Annahmebereitschaft für den nächsten Castor-Transport im November 2011 könnte nicht erklärt werden.

„Es ist schon abenteuerlich, wenn nun der Messpunkt verlegt würde, um im Soll zu bleiben. Das Umgruppieren der Behälter in der Lagerhalle, eine zweite angedachte Maßnahme, würde das Problem ebenfalls nicht beheben“, prophezeit die BI, weil es sich nach GNS-Angaben nicht um eine Direkt-, sondern um Streustrahlung handele.

Die hohe Wärme- und Strahlenlast geht auf die 3. Änderungsgenehmigung vom 23.05.2007 zurück, Behälter mit verglasten Abfällen aus extrem hohen Abbrand dürfen seitdem nach Gorleben transportiert werden, ein solcher Transport wird auch im November wieder erwartet. In dieser Änderungsgenehmigung sei offensichtlich auch ein Belegplan verankert, der nicht einfach aufgehoben werden dürfe, unterstreicht die BI.

„Wir dringen weiterhin auf die Absage des Castor-Transports – in Gorleben gehört zurzeit nichts weiter rein und nichts raus“, sagte Ehmke.

Jutta Kremer-Heye, Sprecherin des Umweltministeriums, erklärte: „Wenn ich mich dort hinstellen würde und ein Jahr nicht weggehen würde, wäre die Strahlenbelastung geringer als bei einer Stewardess oder einer Röntgenassistentin.“

„Wenn das die Meinung einer Fachbehörde und nicht ihrer Sprecherin ist, dann kann man auf den Strahlenschutz und gesetzliche Grenzwerte gleich verzichten. Die kosmische Höhenstrahlung mit der biologischen Wirksamkeit von Gamma- und Neutronenstrahlung bei hochradioaktiven Abfällen zu vergleichen, ist verantwortungslos“, kommentiert Ehmke

Am 28. August gab es in Gorleben eine Demo wegen des Strahlenalarms. Bilder davon bei http://www.publixviewing.de/index.php?cont=news&id=119&n=1 . Am 24. August gab e seine Ankettaktion. Bilder dazu bei http://www.publixviewing.de/index.php?cont=news&id=118&n=1 .

102 Castor-Behälter verlieren sich noch im Brennelement-Zwischenlager Gorleben, 420 Stellplätze gibt es insgesamt. Radioaktivitäts-Messungen im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums hätten ergeben, dass die Strahlenbelastung am Zaun des Zwischenlagers oberhalb der geltenden Jahresgrenzwerte liegen könnte. Das berichtete das NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen am 25. August.

Dem NDR liegt ein Vermerk des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor, in dem des wörtlich heißt, es sei nicht auszuschließen, dass die Jahresdosis bis Ende 2011 überschritten sein könnte. „Eine Einlagerung weiterer Behälter wäre dann nicht zulässig.“

Die Gorleben-Gegner halten die Maßnahmen wie das Umstellen der Behälter in der Halle, wie sie die Brennelementlager-Gesellschaft (BLG) vorschlägt, für „provisorischen Pfusch“. „Hauptbetroffene sind die Mitarbeiter der BLG, die täglich dem Strahlenfeld ausgesetzt sind“, gibt die BI zu bedenken.

Einen Grund für die alarmierende Strahlenwerte sieht die BI in der Einlagerung von Behältern mit extrem hohem Abbrand: „Der Castor-Transport 2010 war nicht nur derjenige, der bisher den größten Widerstand herausgefordert hatte, er war auch der heißeste. Die Tatsache, dass das NLWKN jetzt einen Halbjahreswert für Neutronenstrahlung ermittelt hat, der hochgerechnet die gesetzlich erlaubte Dosis von 0,30 mSv übersteigt, wirft aber Fragen auch nach der Zuverlässigkeit der Betreiberin auf“, sagte Ehmke.

Die Umgebungsüberwachung der BLG müsse sorgfältig geprüft werden.Der skandalöse Zustand, dass beim Eintreffen neuer Castor-Behälter die BLG der Gewerbeaufsicht die Messinstrumente leiht, regt die Gorleben-Gegner seit Jahren auf.

Unterdessen hat der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister mit Äußerungen zu Gorleben überrascht. In einem Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ hatte der CDU-Politiker von seinem Parteifreund und Bundesumweltminister Norbert Röttgen bis spätestens zum Jahresende die Vorlage der Gesetzes-Eckpunkte für die Regelung der atomaren Endlagerung verlangt.

Parallel zu Gorleben sollten auch andere Standorte und Endlagerformen in Betracht gezogen werden als bisher geplant, „da sich die Politik darauf vorbereiten muss, das Gorleben sich auch als ungeeignet herausstellen könnte“, sagte McAllister.

„Es hat lange gedauert, dass in der CDU Zweifel an der Eignung Gorlebens nicht nur gehegt, sondern dass das auch offen ausgesprochen wird“, sagte ein BI-Sprecher. Endlich komme man zum Kern des Problems, den erdrückenden geologischen Negativbefunden, die eine Endlagerung hochradioaktiver Abfälle im Salzstock Gorleben als äußerst riskant erscheinen lassen.

„Die Einbahnstraße Gorleben wird sich als Sackgasse erweisen“, sind sich die Gorleben-Gegner sicher. Deshalb müsse Gorleben nicht zu Ende „erkundet“, also faktisch weiter ausgebaut werden, das sei reine Geldverschwendung, als ersten Schritt müsste – vor einem Neustart in der Endlagersuche – das Atommülldilemma aufgearbeitet werden.

„Dazu gehört, dass Institutionen und Einzelpersonen, die ihre wissenschaftliche Reputation in der illegal betriebenen Atommülldeponie Asse II verloren haben, sich auch als Gutachter für Gorleben diskreditiert haben. Die Ergebnisse der beiden Parlamentarischen Untersuchungsausschüsse – im Land Niedersachen zur Asse II, im Bund zu Gorleben – müssten zusammengeführt und ausgewertet werden.

„Auf das entscheidende Wort McAllisters aber warten wir: Es darf in Gorleben zur Zeit nicht im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr weiter gebaut werden, Rötten muss in der Zwischenzeit bis zu einer Neubestimmung der Atommüllpolitik den Sofortvollzug in Gorleben aufheben“, schrieb die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek in einer Pressemitteilung.

Es glich einem Doppelschlag: Kaum flackerte ein Hoffnungsschimmer auf, dass es Alternativen zu Gorleben geben könnte, verkündete McAllister (CDU) umgehend, Gorleben werde zu Ende erkundet. Gleich danach gab das BfS grünes Licht für den nächsten Castor-Transport nach Gorleben. „Schwarz-Gelb in Niedersachsen erhöht den Druck auf Gorleben“, konstatierte die BI.

Die Gorleben-Gegner unterstellen Schwarz-Gelb in Land und Bund eine konzertierte Aktion. Die Hoffnung, dass der Sofortvollzug in Gorleben von Röttgen (CDU) aufgehoben und dass der 13. Castor-Transport in der Geschichte des Wendlands gestoppt würde, um die Endlagersuche unbelastet neu starten zu können, sei damit „zerstoben“, sagte Ehmke.

„Wie kann ein „Landesvater“ nur den Ausverkauf einer Region dermaßen forcieren, ohne in seiner Amtszeit auch nur einmal mit der Kreistagsmehrheit im Landkreis Lüchow-Dannenberg und den Gorleben-Gegnern geredet zu haben“, fragte Rudek.

Am 14.8. startete die ein Jahr währende Kampagne „gorleben365″ der Kurve Wustrow (Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion) und der Initiative X- tausendmal quer, in ein Jahr voller bunter und entschlossener Aktionen an den Gorlebener Atomanlagen. (Bilder: http://www.publixviewing.de/index.php?cont=news&id=117&n=1 )

Das Fest zum Protest ist als Auftakt vieler Aktionen zu sehen, die im Vorfeld und während des nächsten Castortransports stattfinden werden. Denn auch im Herbst, wenn wieder ein Zug mit hochradioaktivem Müll durch ganz Deutschland nach Gorleben rollt, werden Menschen von überall ins Wendland kommen und gegen die verfehlte Energiepolitik der Bundesregierung Widerstand leisten gemäß dem Motto „Gorleben soll leben“!

Unter dieser Parole werden im November wieder Tausende in Dannenberg demonstrieren, denn der 13. Castor-Transport nach Gorleben und das Endlagersuchgesetz werden das Wendland am Ende dieses antiatombewegten Jahres zum Schauplatz machen. Ein breites Bündnis aus Anti-Atom- Initiativen und Umweltverbänden beschloss auf einem Treffen in Lüneburg am 28. Juli unter der Formel „Dannenberg plus X“ dass es nicht nur eine Großkundgebung geben wird, sondern auch zusätzliche Demo-und Aktionsangebote, an denen noch gefeilt werde.

Zuvor hatten bereits die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), die Bäuerliche Notgemeinschaft und weitere lokale Anti-Atom-Gruppen sich unter dem Motto „Jetzt schlägt´s 13″ dafür eingesetzt, die ungelöste Atommüllfrage, den großen Unmut über den schwarz-gelben „Atomausstieg light“ und ein energisches Eintreten für eine Energiewende und Energieeffizienz in den Fokus der Auseinandersetzung zu rücken. Diese Stoßrichtung werde nun von allen Beteiligten gemeinsam getragen, hiess es.

„Wir warnen vor der gezielten Desinformation, dieser Castor-Transport sei vorerst der letzte“, sagte Ehmke. Ab dem Jahr 2014 seien weitere Atommüllfuhren nach Gorleben, nun aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield angekündigt. Vor allem aber das Atommülldilemma werde den Anti-Atom-Herbst bestimmen. Unisono setzten sich alle Bündnis-Gruppen für einen Neustart der Endlagersuche ohne Gorleben ein.

Gorleben als Atommüllendlager sei wegen seiner flagranten geologischen Mängel für alle Beteiligten erledigt, der Druck der Straße sei äußerst wichtig. Ehmke: „Nach dem Atomausstieg light darf es keine Endlagersuche light geben.“

Im Juni gab das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bekannt, es habe den Transport von elf Behältern mit HAW-Glaskokillen von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague zum Transportbehälterlager Gorleben genehmigt. Der Antrag hierfür wurde von der Nuclear Cargo + Service GmbH am 18. Februar 2011 gestellt.

Die Beförderungsgenehmigung wurde erteilt, nachdem die Erfüllung der Sicherheitsanforderungen nach § 4 Atomgesetz geprüft und festgestellt worden ist, teilte das BfS mit.

Durch Auflagen in der erteilten Beförderungsgenehmigung seien Maßnahmen zur Kontaminationsvermeidung, Kontaminationskontrolle, Transport-Dokumentation und Meldepflichten festgelegt worden. Bei dem genehmigten Transport werden Behälter vom Typ CASTOR HAW28M eingesetzt.

Bei der Genehmigung handele es sich um eine sogenannte gebundene Entscheidung, schrieb die Behörde. Der Antragsteller habe einen Rechtsanspruch auf eine Genehmigung, wenn alle gesetzlich vorgeschriebenen Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt werden.

Im Mai war der Präsident des BfS, Wolfram König, vorsichtig von Gorleben abgerückt. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa räumte er ein, dass die Wahl Gorlebens als nukleares Endlager 1977 ohne einen überprüfbaren Kriterienkatalog erfolgte. Bemerkenswert findet die BI Königs Eingeständnis, dass der Verzicht auf eine wasserabweisende Tonschicht über dem Wirtsgestein Salz als Eignungskriterium einfach fallen gelassen wurde, weil die Tiefbohrungen diesen Nachweis nicht erbringen konnten. „Genau das ist der Skandal, der im parlamentarischen Untersuchungsausschuss Gorleben von Schwarz-Gelb klein geredet wurde“, unterstrich Ehmke. Die Kriterien wurden im Prozess der Erkundung den Befunden angepasst.

Neue Aktenfunde belegen frühes Wissen um Gasfeld

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte die BI die Sitzungen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zu Gorleben, schließlich hatte die Akteneinsicht der BI im August 2008 den Stein ins Rollen gebracht.

Nach Auswertung der Tiefbohrungen im Raum Gorleben hatte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), die vor Gründung des Bundesamtes für Strahlenschutz die Federführung des Gorleben-Projekts inne hatte, empfohlen, auch andere Standorte als Endlager für hochradioaktive Abfälle zu untersuchen. Begründet wurde in den Vorentwürfen des abschließenden sogenannten „Zwischenberichts“ 1983 das deutliche Abrücken von Gorleben mit den geologischen Mängeln, vor allem mit der fehlenden abschirmenden Tonschicht und dem Wasserkontakt des Salzstocks.

„Selbst nach Änderung der fachlichen Begründung durch die PTB – nicht mehr die geologischen Mängel, sondern Akzeptanz wurde ins Feld geführt – wurde die Empfehlung der Fachbehörde, nicht nur Gorleben, sondern auch andere Standorte zu untersuchen, durch die Intervention des Kanzleramts, des Innenministeriums und des Wissenschaftsministeriums unter Helmut Kohl (CDU) kassiert“, erinnert die BI. „Einmal Gorleben, immer Gorleben“, so Ehmke, lautete die Devise, „die fachliche Auseinandersetzung hat nie eine Rolle gespielt, man brauchte einen Standort als Entsorgungsnachweis”.

Die PUA-Sitzungen mit ihren klaren Fronten – hier die schwarz-gelbe Mehrheit, dort die wachsenden Einsicht der Oppositionsvertreter/innen, denen, je länger sie die Gorleben-Akten studieren, klar werde, dass eine weitere Endlagersuche mit Gorleben im Pool sich sachlich verbiete – seien nicht so interessant, spannender seien die „Zwischentöne“, wie sich Grüne, SPD und Linke zum Neustart der Atommülldebatte mit oder ohne Gorleben im Pool verhielten und weitere Aktenfunde.

Wie die BI erfuhr, hat sogar das niedersächsische Kabinett am 21.12.1976, also zwei Monate vor der Gorleben Standortbenennung, von den Gasfeldern gewusst und beschlossen, dass im Falle Gorleben der Atommülllagerung der Vorrang gegenüber der Förderung von Erdgas eingeräumt werden solle. „Die Gasproblematik, also ein Gasfeld unter dem Salzstock und Gaseinschlüsse im Salz, sind ein K.O.- Kriterium“, sagte Ehmke.

Für die BI bestätigt dies ihre schlimmsten Befürchtungen, dass Gorleben nur aus politischen Gründen schön geredet wurde und auch heute noch nachträglich die Anforderungen an den Gorlebener Salzstock an die Realität angepasst werden. „Diese Lügengeschichte von Gorleben muss ein Ende haben“, so Ehmke: „Wenn für eine Endlagersuche eine glaubwürdige Grundlage geschaffen werden soll, dann muss Gorleben raus. Und zwar sofort.“ (Dokumentation www.bi-luechow-dannenberg.de)

Im Juni meldete die BI, die Gorleben-Gegner/innen verspürten Rückenwind: mehr als 800 Menschen folgten am Pfingstsonntag dem Aufruf der BI zu einer Demonstration. Kurz zuvor hatten laut ZDF-Politbarometer 71% der Befragten für einen Neustart in der Endlagersuche votiert.

„Die Debatte um den Atomausstieg wurde nach dem Super-GAU in Fukushima heftig geführt, ausgeblendet wurde jedoch das Atommülldilemma“, kritisiert die BI. Unter der Parole „Gorleben versalzen“ will eine regionales Bündnis in Norddeutschland unterstreichen, dass eine vergleichende Untersuchung verschiedener möglicher Wirtsgesteine mit dem Joker „Gorleben“ nicht länger akzeptiert wird.

„Bisher raschelte es nur im Blätterwald, als nach dem Grünen Ministerpräsidenten Baden- Württembergs, Winfried Kretschmann, auch der CSU-Chef Horst Seehofer seine Blockadehaltung zu einer Endlagersuche in Bayern aufgab. Aber passiert ist nichts, außer dass in Gorleben im Drei-Schicht-Betrieb weiter gebaut wird“, kritisierte Ehmke.“Gorleben ist kein regionales Problem. Neben Morsleben und der Asse II steht Gorleben für das Scheitern der Entsorgungspolitik“, unterstrich die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek.

Ab Pfingsten richteten sich Atomkraftgegner/innen nicht nur vor dem AKW Brokdorf, sondern auch in Gedelitz in einem einwöchigen Widerstandcamp ein. Der von Schwarz-Gelb beschlossene Atomausstieg geht ihnen gegen den Strich.

„Der Ausstieg wird bis zum Jahr 2022 gestreckt, wird von den Konzernen beklagt und zur Endlagersuche gibt es nur vage Ausführungen“, kritisierte die BI.

„Merkels dreimonatiges Moratorium hatte das Ziel, die erfahrungsgemäß kurze Phase der unmittelbaren Wut und Betroffenheit nach dem Super-GAU auszusitzen, “ schreibt die Initiative x1000malquer, die zur Blockade nach Brokdorf einlud. Bis dahin hätte der Massenprotest den Charakter gehabt, mit konstruktiven Ratschlägen und Forderungen auf die Regierungsbeschlüsse einzuwirken. Nachdem dies nicht zum Sofortausstieg geführt habe, sei die Zeit gekommen, die Stilllegung wieder selbst in die Hand zu nehmen und mit konkreten Maßnahmen den Weiterbetrieb der Atomwirtschaft zu erschweren.

In Gorleben werde unter Hochdruck weiter gearbeitet. In 3 Schichten. 24 Stunden am Tag Die Öffentlichkeit werde durch Anwendung des Bergrechts von dem Verfahren komplett ausgeschlossen, monieren die Gorleben-Gegner. „Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat nicht einmal den Sofortvollzug für den Ausbau Gorlebens aufgehoben und lässt keinen Zweifel daran, dass er die Arbeiten an einer „vorläufigen Sicherheitsanalyse“ zu Gorleben weiter finanziert“, moniert Ehmke.

Am Pfingstsonntag wurde der „Schwarzbau“ Gorleben demonstrativ mit Schubkarren und Salz umrundet: „Wir plädieren für das Verfüllen der Stollen.“ Eine angemeldete Mahnwache auf dem Salinas-Gelände schloß sich nach Abschluss der Veranstaltungen zur Kulturellen Landpartie an. Die bunte Demo-Karawane zog demonstrativ mit Schubkarren an der polizeilich gut gesicherten Baustelle des sogenannten „Erkundungsbergwerks“ vorbei und umrundete die aufgefahrene Salzhalde. Dort hatten Aktivisten den Zaun überwunden und mit Lettern auf dem Salzberg die Forderung markiert, „das Salz gehört in die Erde“. Den Zaun hatten einige Aktivisten aufgedröselt, die Polizei nahm 27 Atomkraftgegner, die mit Anti-Atom-Fahnen und zum Teil auch mit Schubkarren auf den Salzberg gelangten, fest, eine Frau verletzte sich bei der Aktion am scharfen Gestein. (Bilder: http://www.publixviewing.de/index.php?cont=news&id=113&n=1 .)

Es gleicht einem Doppelschlag: Kaum flackerte ein Hoffnungsschimmer auf, dass es Alternativen zu Gorleben geben könnte, verkündete McAllister (CDU) umgehend, Gorleben werde zu Ende erkundet. Gleich danach gab das BfS grünes Licht für den nächsten Castor-Transport nach Gorleben, befristet bis zum 31.01.12.

Zu einem Neustart der Endlagersuche schreibt die BI, dass die Kehrtwende Horst Seehofers (CSU) noch lange nicht bedeute, dass Gorleben aus dem Pool möglicher Standorte gestrichen wird.“Wir arbeiten von uns aus jetzt weiter an dem Nachweis, dass aus geo-wissenschaftlicher Sicht sich Gorleben als Standort verbietet, kündigte die BI an. Eine Rückholbarkeit der Abfälle, wie es sich aus dem Supergau in der Asse II als notwendig erweist, und eine Lagerung der hochtoxischen, hochradioaktiven und heißen Abfälle in Salzgestein sei ein Widerspruch in sich: Salz verhalte sich plastisch, kriecht und schließt Abfälle ein, aber den Wasserkontakt nicht aus.

„Wenn das die Ausfahrtsluke aus dem verkorksten Gorleben-Projekt sein soll, dann wünschten wir uns mehr Ehrlichkeit und Offenheit, Gorleben ist schon lange politisch und fachlich verbrannt. Der gordische Knoten muss endlich durchtrennt werden, wir fordern ein schnelles Ende des Projekts.“

Strahlenalarm in Gorleben

BI Umweltschutz fordert Offenlegung aller Messwerte und Castor-Stopp

Kurz vor dem Statusgespräch im niedersächsischen Umweltministerium am morgigen Dienstag macht die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) Druck, denn bis Oktober muss die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) erklären, ob und wie sie sicherstellen können, dass mit dem nächsten Castor- Transport im Brennelementzwischenlager Gorleben die Grenzwerte nicht noch weiter überschritten werden.
„Die Nöte der Atombetreiber dürfen nicht die Richtschnur des Handelns der Atomaufsicht sein“, appelliert BI-Sprecher Wolfgang Ehmke an das Ministerium, „der Strahlenschutz soll die Menschen vor Strahlung und nicht die GNS vor Kritik schützen.“ Ein Umräumen der Castoren in der Halle werde nicht die Strahlung minimieren, mit der nächsten atomaren Fracht – 11 Behälter – werde die Strahlenbelastung noch prekärer, prophezeit die BI.Entschieden tritt die BI dem Kleinreden der Grenzwerte entgegen. „Es gibt keine ungefährliche Strahlung, es gibt einen wissenschaftlichen Streit um die biologische Schädlichkeit, also die Strahlengefahr, von Neutronenstrahlung und es gibt zum Glück auch gesetzlich festgeschriebene Grenzwerte, die in Gorleben absehbar überschritten werden, da muss der Staat einschreiten“, heißt es seitens der BI. Alle Messdaten sollten ab sofort für jedermann einsehbar sein und ins Netz gestellt werden, um Transparenz herzustellen.“Das Castor-Konzept ist gescheitert, die GNS kann noch nicht einmal Zwischenlagerung, der nächste Transport gehört abgesagt“, sagte Ehmke.

Japan: Große Menge Cäsium freigesetzt

Tokio. Die seit dem Beginn der Atomkatastrophe von Fukushima freigesetzte Menge radioaktiven Cäsiums ist laut einem Zeitungsbericht 168 Mal höher als bei der Explosion der Atombombe von Hiroshima. Seit März seien 15000 Terabecquerel Cäsium 137 freigesetzt worden, berichtete die Zeitung Tokyo Shimbun am Donnerstag. Bei der Explosion der Atombombe im August 1945 seien 89 Terabecquerel freigesetzt worden. Die Zeitung beruft sich auf Berechnungen der Regierung.

Dauerhaft unbewohnbar

Japan: Zone rund um das AKW Fukushima muß aufgegeben werden
Von Wolfgang Pomrehn

Die japanische Regierung will einen Teil des Gebiets um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi dauerhaft zur Sperrzone erklären, wie die Zeitung Mainichi Shimbun berichtet. Nach derzeitigem Plan sollen im Januar nächsten Jahres die drei Reaktoren, deren Kerne aufgeschmolzen sind, endlich unter Kontrolle sein. Dann wolle man die jetzt gesperrte 20-Kilometer-Zone näher untersuchen und entscheiden, welche Teile gesperrt bleiben. Genaue Angaben für den Zeitpunkt der Untersuchung macht die Zeitung allerdings nicht.

Schon jetzt werden die japanischen Behörden allerdings von vielen Bürgern für ihre undurchsichtige Informationspolitik kritisiert. So sind zum Beispiel genaue Angaben über die radioaktive Belastung nur schwer zu bekommen. Daher haben inzwischen viele Engagierte zur Selbsthilfe gegriffen. Wie einst in Westdeutschland im Zuge des Widerstands gegen den Bau von Atomkraftwerken bewaffnen sich nun japanische Bürger mit Meßgeräten, um ihre eigenen Informationen über die radioaktive Strahlung zu sammeln. Auf diese Weise wurde bekannt, daß es noch in 300 Kilometern Entfernung vom AKW Fukushima zum Teil hohe Belastungen gibt. Die Behörden hatten unter anderem Warnungen von Meteorologen über radioaktiven Niederschlag nicht herausgegeben.

Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums, die die Zeitung zitiert, werden an 15 von 50 Meßpunkten in der jetzigen Sperrzone noch über 100 Millisievert gemessen, was ein relativ hoher Wert ist. Bei 100 Millisievert Dauerbelastung ist bei einem Prozent der Bevölkerung damit zu rechnen, daß sich Krebs entwickelt. Die Internationale Kommission für den Schutz vor radioaktiver Strahlung empfiehlt, daß auch in Krisensituationen die Belastung auf 20 bis 100 Millisievert beschränkt werden sollte. In Gebieten, die nach einem Unfall wieder besiedelt werden, sollte die Strahlenbelastung nicht über 20 Millisievert liegen und langfristig auf ein Millisievert begrenzt werden. Die japanische Regierung hatte hingegen nach der dreifachen Reaktorkatastrophe in Folge des Erdbebens vom 11. März die Grenzwerte für Kinder erhöht. Statt wie bisher ein Millisievert Dauerbelastung hält sie nun 20 Millisievert für akzeptabel.

Entsprechend breitet sich in der japanischen Bevölkerung die Ablehnung der Atomenergienutzung aus. 74 Prozent der Bürger, so hat dieser Tage eine Meinungsumfrage ergeben, unterstützen inzwischen einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomwirtschaft. Weitere elf Prozent fordern die sofortige Stillegung aller AKW. Bis zum März dieses Jahres haben diese knapp 30 Prozent des japanischen Strombedarfs gedeckt. Zur Zeit stehen als Folge des Erdbebens und erhöhter Sicherheitsanforderungen mehrere Dutzend der 50 japanischen Reaktoren still.

Bis vor kurzem hatte die japanische Regierung noch ein Neubauprogramm für AKW verfolgt, doch das scheint vorerst vom Tisch. Premierminister Naoto Kan fordert den Ausstieg und den Ausbau der erneuerbaren Energieträger. Allerdings ist seine Popularität auf ein Rekordtief gesunken. Nur 15 Prozent der Wähler unterstützten bei einer Umfrage im Juli Kans Politik. Daher hat in seiner Partei die Suche nach einem Nachfolger begonnen, und in diesem Zusammenhang ist es ungewiß, ob der Antiatomkurs Bestand haben wird. Die meisten in Frage kommenden Kandidaten, so Mainichi Shimbun, würden entweder den Weiterbetrieb der bestehenden AKW unterstützen oder gar einen Ausbau fordern.

Störfallhäufung in deutschen AKW

Seit Jahresbeginn schon 34 meldepflichtige Ereignisse. »Contratom«-Sprecher: beispiellose Pannenserie
Von Reimar Paul

Der Ausfall eines Transformators im Atomkraftwerk Brokdorf in der vergangenen Woche war der wohl schwerwiegendste, aber bei weitem nicht der einzige AKW-Zwischenfall dieses Jahres. In den neun noch laufenden Meilern gab es seit Januar nicht weniger als 34 »meldepflichtige Ereignisse«. Aktueller Spitzenreiter mit 16 Zwischenfällen ist das Atomkraftwerk Philippsburg 2 in Baden-Württemberg.

Am 8. August meldete Betreiber ­EnBW der Aufsichtsbehörde in Stuttgart ein Problem am Notkühlsystem. Demnach schloß die Armatur in einer Rohrleitung nicht vollständig. Ein Teil des Systems hätte bei Bedarf nicht in vollem Umfang zur Verfügung gestanden. Eine Gefahr bestand laut EnBW allerdings nicht, da das AKW über insgesamt vier dieser Kühlkreisläufe für den Notfall verfüge.

Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich drei Tage zuvor. Bei einem Test für den Transport von Brennstäben sei ein Korbgestell heruntergestürzt, berichtete das baden-württembergische Umweltministerium. Auswirkungen für die Sicherheit der Anlage habe aber auch das nicht gehabt. Wohl nur zufällig, denn das Gestell war bei dem Versuch leer.

Bei den weiteren Pannen in Philippsburg, die zwar alle in die unterste Meldekategorie fielen, aber dennoch ernst zu nehmen sind, handelte es sich unter anderem um Defekte in der Elektronik, beschädigte Abstandhalter sowie den Ausfall einer Pumpensteuerung.

Unterdessen ist die Ursache des Trafo-Ausfalls in Brokdorf weiter ungeklärt. Das schleswig-holsteinische AKW war am vergangenen Sonntag nach Gasentwicklung in einem der beiden Maschinentransformatoren abgeschaltet worden. Das Atomkraftwerk war erst am 20. Juli nach mehrwöchiger Jahresrevision wieder ans Netz gegangen. Wie erst jetzt bekannt wurde, wandte sich während der Revision die Kieler Atomaufsicht wegen Verformungen an Brennelementen an das Bundesumweltministerium. Solche Probleme seien in Brokdorf schon 2010 aufgetreten, aber auch aus anderen Anlagen in Deutschland seit etwa 2007 bekannt, sagte der Leiter der Atomaufsicht, Wolfgang Cloosters. Die Verformungen könnten Einfluß haben auf die sogenannten Fallzeiten von Steuerelementen, die bei einer Schnellabschaltung ohne jede Verzögerung in die etwa 4,80 Meter langen Brennelemente hinein geschossen werden müssen.

Nach Angaben von Brokdorf-Betreiber E.on handelt es sich bei den Verformungen lediglich um »minimale Abweichungen«. Der Konzern plant überdies, das AKW mit nur einem Trafo wieder anzufahren. Die Atomaufsicht vermutet hingegen, daß eventuell auch der zweite Transformator durch den Zwischenfall Schaden genommen hat. Jetzt müsse »zunächst die Ursachenklärung im Vordergrund« stehen.

Atomkraftgegner warnen vor einem »ungeheuerliche Spiel mit dem Feuer«. Wenn die Verformungen der Brennelemente im Leistungsbetrieb weiter voranschritten, könnte die volle Funktion des Notabschaltsystems nicht mehr gewährleistet werden, befürchtet etwa Jan Becker von der Organisation »Contratom«.

»Es liegen offenbar Sicherheitsdefizite vor, und weder Atomaufsicht noch Betreiber handeln«, bemängelt Becker. »Parallel dazu brennt ein Trafo durch, obwohl die sogenannten Experten während der Revision keine Mängel gefunden hatten.« Im AKW Brokdorf setze sich das fort, was in Brunsbüttel und Krümmel für die endgültige Stillegung gesorgt hatte: eine beispiellose Pannenserie. »Der Mythos der neuen, sicheren AKW, die nach dem Atomausstieg teilweise noch mehr als zehn Jahre laufen sollen, krankt gewaltig«, sagt Becker

Anti Atom News

Liebe Leute,

von Sommerferien ist in der Atomdebatte in NRW und Umgebung nicht viel zu merken. Aktuell will die Bundesregierung nun auch in Gronau, Ahaus und Lingen Stresstests durchführen. Damit gesteht die Bundesregierung erstmals ein, dass z. B. die Urananreicherung oder Brennelementefertigung unsicher sein könnten. Das klingt banal, aber für die Bundesregierung, die immer 120% hinter Gronau stand, ist das Neuland. 2012 sollen Ergebnisse vorliegen, die „Entsorgungskommission“ hat die Federführung – wir waren schon immer der Meinung, dass die Atomanlagen in Gronau, Ahaus und Lingen dringend „entsorgt“ werden müssen, sprich: wenn Herr Röttgen politisch punkten will, soll er die Atomanlagen stilllegen und für Ahaus einen Einlagerungsstopp verhängen!

Im Übrigen lässt es sich die Landesregierung ziemlich alt aussehen, deren „Sicherheitsüberprüfung“ erst 2013 ERgebnisse bringen soll. Niemand weiß wirklich, wie diese Überprüfung genau abläuft. Aber wir fragen uns: Wenn die Landesregierung 2 Jahre braucht, um die UAA zu überprüfen, hat sie offensichtlich keine Ahnung von der Urananreicherungsanlage. Wie konnte die UAA dann eigentlich überhaupt genehmigt werden???

Wann kommt die Landesregierung endlich aus dem Quark und legt einen Stilllegungsplan für Gronau vor und verhängt für sämtliche Atomtransporte durch NRW ein Transporte-Moratorium??

Gronau

Aber es tut sich was im Lande und die Urenco kommt aus den Schlagzeilen nicht raus: Störfälle, Großdemos, Blockaden und jetzt der Stresstest kratzen kräftig am Image der Urenco. Diesen Trend wollen wir verstärken. Deshalb haben wir uns schon auf einige Aktionen geeinigt:

1. Am 17./18. September soll es ein kleines Camp an der UAA geben, um die Vernetzung und Strukturen im Kampf gegen die Urananreicherung auszubauen. Dazu werden auch FreundInnen aus Russland erwartet. Wir laden euch herzlich ein, zu kommen und mitzumachen. Infos und Rückfragen an: sofa-ms@web.de

2. Am 6. November feiert der UAA-Sonntagsspaziergang sein 25. Jubiläum! Seit Herbst 1986 wird regelmäßig am 1. Sonntag um 14 Uhr vor der UAA demonstriert. Kommt vorbei – feiert mit und demonstriert für die sofortige Stilllegung der UAA und ein generelles Verbot der Urananreicherung!

3. Die schon angekündigte internationale Urankonferenz soll nun Anfang Februar in Münster stattfinden. Wir wollten eine Terminkollission mit dem Wendland-Castor vermeiden. Auf der Konferenz wollen wir inhaltlich und grenzüberschreitend das Verbot der Urananreicherung voranbringen. Nähere Infos folgen dazu.

4. Für Sonntag, den 11. März 2012 planen wir zum 1. Jahrestag der Katastrophe von Fukushima eine Großdemo in Gronau, damit der politische Druck zur Stilllegung der UAA steigt. Wir wissen, dass am 11. März sicher auch an anderen Atomstandorten in Deutschland und Europa demonstriert werden wird. Aber wir sind der Meinung, dass die Urananreicherung in ihrer zivilen und militärischen Dimension ein zentrales Element für Atomindustrie und Militärs weltweit ist. Durch eine möglichst frühzeitige Planung wollen wir ein großes, breites gesellschaftliches Bündnis ermöglichen, das sich für die Demo engagiert. Am 25. April hatten wir in Gronau 15 000 Menschen auf der Straße, wir sehen das als Durchbruch auf dem Weg zur Stilllegung – wenn wir jetzt gemeinsam am Ball bleiben, können wir es schaffen!!

Wir sehen unseren Demo-Vorschlag bis zur Verabschiedung eines bundesweiten Demo-Konzepts für den 11. März zunächst als Angebot für NRW und den Westen Deutschlands. Die Konzentration auf Gronau hat dieses Jahr schon erste Ergebnisse erzielt – darauf wollen wir aufbauen.

Jülich/Ahaus

Noch immer droht der Transport der 152 Castoren von Jülich nach Ahaus. Wir wollen die Castoren stoppen, bevor sie losfahren. Nach bisherigen Infos ist derzeit 2012 für die Transporte angedacht, aber vieles spielt sich derzeit hinter verschlossenen Türen zwischen Forschungszentrum Jülich, Landesregierung und Bundesregierung ab.

1. Die Jülicher haben jedenfalls schon für den 8. April 2012 den Vorschlag eines großen Ostermarsches in Jülich gemacht. Wir unterstützen diesen Vorschlag voll und ganz.

2. In Ahaus ist traditionell der 1. Mai ein Protesttag.

Damit zeichnen sich auch hier schon mittelfristige Protestperspektiven ab.

Das ist gut so – denn der Atomausstieg erfordert von uns noch einen langen Atem. Wir lassen jetzt nicht mehr locker. Es gibt keinen Grund, sich jetzt zurückzulehnen, aber auch keinen Grund jetzt zu resignieren, weil nicht alle Atomanlagen sofort vom Netz gehen.

PS: Wir freuen uns über jedes Feedback, weitere Ideen oder über Infos über eure Aktionen vor Ort. Die Anti-Atom-Bewegung ist gerade nach Fukushima so vielschichtig geworden.

Atomfeindliche Grüße

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, SOFA Münster (www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.kein-castor-nach-ahaus.de)